Isegrim

Isegrim als Klappbroschur bei amazon.de

(gebundene Ausgabe 2013, Klappbroschur 2016)

“Doch in meinem Inneren summt es. Es brodelt. Es bebt. Es wartet. Worauf? Ich weiß es nicht. Ich warte auf alles Mögliche. Dass etwas passiert mit mir. Dass das Warten ein Ende hat. Dass etwas mich von hier forttragen wird.

Die sechzehnjährige Jola lebt in einem kleinen Dorf in Thüringen und ist mit Kai zusammen, den sie ihr Leben lang kennt. Am liebsten ist sie draußen im Wald und beobachtet Tiere, eine Freizeitbeschäftigung, der Kai nur wenig abgewinnen kann.

Doch in diesem Sommer ist alles anders, denn unter dem beschaulichen Dorfalltag beginnt es zu brodeln. Ein mysteriöser Dieb treibt sein Unwesen und stiehlt merkwürdige Dinge. Jola und ihre Freunde kommen durch ein Schulprojekt einem alten Dorfgeheimnis auf die Spur, dessen Offenlegung ihnen keine Freunde einbringt. Gerüchte tauchen auf, dass der Mann, der fünf Jahre zuvor Jolas beste Freundin ermordete, und sich nach seiner Verhaftung selbst richtete, gar nicht der wahre Mörder ist. Und Jola entdeckt in ihrem Wald zwei Fremde: Einen jungen Mann, der sich in ihrem Refugium gut auszukennen scheint, und eine Wölfin, die offenbar auf dem angrenzenden Truppenübungsplatz ihren Nachwuchs aufzieht.

Als Schafe mit durchbissener Kehle auf der Weide liegen und wieder ein kleines Mädchen verschwindet, eskaliert die Situation und Jola muss ihre Sommergeheimnisse lüften. Zu spät erkennt sie, wie all diese Dinge miteinander verwoben sind und in welcher Gefahr sie selbst die ganze Zeit schwebt.

Informationen zum Buch

Klappbroschur – 2016 – 412 Seiten – Arena Verlag, Würzburg – ISBN: 9783401506999erhältlich z.B. bei amazon oder im Buchladen Deines Vertrauens

E-Book – 2013 – Arena Verlag, Würzburg – erhältlich z.B. bei amazon

Hörbuch – 2013 – JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH, Hamburg – ISBN: 9783833732072erhältlich z.B. bei amazon

Lesermeinung

von Katja, 23 Jahre aus Jena

Da ist es endlich – Antje Babendererdes heißersehntes neues Buch, und diesmal ganz ohne Indianer. Statt in die USA nimmt sie uns diesmal mit in den Thüringer Wald, in das fiktive Dörfchen Altenwinkel, nicht mehr als eine Ansammlung von sechzig Häusern, in denen jeder jeden kennt und sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Eine “Scheißidylle”, wie Jolas Freundin Sassy sagt.

Sehr lebendig beschreibt Antje Babendererde die Einwohner des Dorfes. Ich mochte es, wie sie die unterschiedlichen Charaktere mit Macken, Liebenswürdigkeiten und auch unangenehmen und dunklen Seiten ausstattet. Besonders die schwierige Beziehung zwischen Jola und Kai kommt zum Tragen, ebenso Jolas Probleme mit ihrer angstgestörten Mutter und die Zuflucht, die sie bei ihrer im Gegensatz zu ihr viel lockeren Tante findet. Auch der Wald, in dem Jola umherstromert, steigt mit einer Vielzahl von Farben und Gerüchen aus den Seiten des Buches auf. Und trotz der Schönheit, die Jola in der Wildnis findet, braut sich etwas Dunkles zusammen, das nicht zuletzt mit Oleks Ankunft und dem Auftauchen des Wolfes angestoßen wird. Dunkle Erinnerungen holen Jola ein und lange gehütete Geheimnisse, die sie bei ihren Nachforschungen aufdeckt, ziehen den Zorn einiger Leute auf sie und spalten die Dorfgemeinschaft. Schon bald weiß Jola nicht mehr, wem sie trauen kann. Was ist damals wirklich mit ihrer Freundin Alina geschehen, die vor fünf Jahren spurlos verschwand? Was verschweigt Olek, für den sie immer stärkere Gefühle entwickelt? Wie fügt sich das rästelhafte Verbrechen aus der Nachkriegszeit in all das ein? Und nicht zuletzt: Hat die Wölfin eine Chance gegen das Misstrauen, das Unwissen und die Angst der Dorfgemeinschaft?

Die Spannung, die mich beim Lesen an die Seiten geklebt und bis zum Ende nicht losgelassen hat, ensteht anfänglich nicht einmal durch die kriminalistische Handlung, denn die baut sich erst langsam auf. Es sind die komplexen Charaktere, ihre Hoffnungen, Ängste und Geheimnisse und ihre Beziehungen zueinander, die “Isegrim” so bildhaft und realistisch machen. Wahrhaft meisterlich ist es, wie Antje Babendererde ihre verschiedenen Erzählstränge kunstvoll ineinander verflicht und alles zu einer absolut schlüssigen, komplexen Geschichte vereint. Spätestens, als Jola immer tiefer in die dunkle Geschichte Altenwinkels zu Kriegsende eintaucht, die Stimmung im Dorf plötzlich umschlägt und Jola sich zunehmend verfolgt fühlt, entwickelt sich die Geschichte mehr und mehr zu einem angsteinflößenden Thriller. Der Leser wird nach Strich und Faden an der Nase herumgeführt, ebenso wie Jola weiß man nicht mehr, wem zu trauen ist, alles scheint verdächtig, die Beklemmung nimmt stetig zu. Antje Babendererde ist mit “Isegrim” das Kunststück gelungen, ein dunkles Waldmärchen, eine geheimnisvolle Liebesgeschichte und einen psychologisch dichten Thriller zu vereinen.

Fazit:

Ein Wald aus Geheimnissen, ein Dorf voller Lügen und ein Mädchen, das nicht wegsehen will. Eine wunderbare Liebesgeschichte, ein schleichender, Gänsehaut erzeugender Thriller und nicht zuletzt eine Geschichte von der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland.

Ich war absolut gebannt und hätte zum Schluss am liebsten weitergelesen. Wann kommt das nächste Buch aus Antje Babendererdes Feder? Bitte, bitte mehr davon!

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